Die Asche der Reue


Sua culpa

Der Papst veröffentlicht ein 70 Seiten starkes Pamphlet, in dem er eine gewisse Schuld an während des vergangenen Jahrtausends begangenen Grausamkeiten eingesteht. Allerdings nicht die des Pontifex Maximus, sondern die von Söhnen und Töchtern der Kirche.
Mea culpa in der Tat!

Eine kurze Geschichte der mordenden Christenheit

1099: Die Kreuzzüge
Christliche Kreuzritter töten 70'000 Nichtchristen in Jerusalem. Papst Urban II, der den Pilgern und künftigen Mördern Eintritt in den Himmel versprochen hatte, wird 1881 heilig gesprochen.
Die Krusaden sollten nicht die letzten "heiligen" Kriege bleiben. Bis zum heutigen Tag segnet der Klerus Instrumente der Massenvernichtung. .

1215: Die Inquisition
Ein Papst mit dem unzutreffenden Namen Innozenz III befiehlt die Unterdrückung von "Irrlehren", indem er eine gestapo-artige Meute auf Ketzer und Blasphemiker loslässt. Gemäss einiger Quellen soll diese göttliche Institution gegen zehn Millionen Europäern das Leben gekostet haben.

1252: Folter
Ein neuer "Innozenz" führt die Folter als legitimes Instrument zur Extraktion von Geständnissen ein.

1481: Autodafé
Die Verfolgung Andersgläubiger in Spanien erreicht ihren Höhepunkt. Infolge summarischer Todesurteile werden Heretiker in Massen gemeinsam verbrannt. Erst 400 Jahre später wird der letzte Ungläubige in Spanien erhängt.

1491: Die Eroberung des Paradieses
Während der Kolonisation von Zentral- und Südamerika und mit dem Segen der Kirche ermorden die Conquistadores Cortes und Pizarro Millionen von Indianern während sie ihr Gold stehlen.

1571: Der Index
Begleitet von den üblichen Drohungen, ruft der Vatikan den "Index" ins Leben, eine Liste von Büchern, die nicht gelesen werden dürfen. Obwohl der Index 1961 aufgehoben wurde bringt man Kritiker und Skeptiker noch heute zum Schweigen, indem man sie mit Redeverbot belegt oder exkommuniziert.

1572: Die Bartholomeusnacht
Die Heirat eines blaublütigen Protestanten mit seiner katholischen Braut führt zum Massenmord an französischen Hugenotten (Meine Vorfahren waren Hugenotten, die in der protestantischen Schweiz Zuflucht fanden).

1600: Religiöse Lügen gegen wissenschaftliche Wahrheit.
Der Naturforscher Giordano Bruno wird in Rom verbrannt. Der Vatikan sperrt Galileo Galilei ein, weil er beweisen konnte, dass die Erde nicht der Mittelpunkt des Universums ist. Im Jahre 1992 macht sich die katholische Kirche lächerlich, indem sie mit riesiger Verspätung Galilei rehabilitiert. Zahlreiche wissenschaftliche Entdeckungen haben seither Irrtümer christlicher Doktrin offensichtlich gemacht. Demgegenüber bleibt die Kirche immer noch zwei Jahrhunderte hinter der Realität zurück.

17. Jahrh. - 1782: Hexen
Inszeniert durch die katholische Kirche grassiert in Europa die Verfolgung von Frauen und deren Ermordung auf dem Scheiterhaufen als "Hexen". Hunderttausende, zum Teil Pioniere der Naturheilkunde, fallen dem kirchlichen Wahnsinn zum Opfer.

Heute
Trotz angeblicher Unfehlbarkeit sollte der Papst sich dringend fragen:
"Ist es möglich, dass wir wiederum im Begriffe sind Fehler zu begehen?".
"Könnte es sein, dass die orthodoxen Richtlinien, die wir heute vertreten, morgen als Verbrechen der Kirche erkannt werden?".

Die katastrophale menschliche Ueberbevölkerung wird allmählich als primäre Ursache der meisten unserer Gegenwartsprobleme erkannt. Zwei hartnäckige Idiosynchrasien des Papstes unterstützen das gewaltigste Verbrechen, das die Menschheit je an der Natur und an sich selbst beging.
Damit lädt er sich eine neue Schuld auf, die ein zukünftiger Papst schwerlich mit einem "mea culpa" aus der Welt wird schaffen können (falls wir diese Zukunft überhaupt erleben).

Die Unterdrückung der Rechte der Frauen ist ein indirekter Grund, warum es Armut, bewaffnete Konflikte und Misshandlung von Kindern, insbesondere in den katholischen Ländern Südamerikas gibt. Die stete Opposition des Vatikans gegenüber der Familienplanung ist die treibende Kraft hinter der massiven Zerstörung unseres Planeten in der westlichen Hemisphäre.

Warum überhaupt ist die Religion, besonders der Katholizismus, so erfolgreich in einer Welt, die ihren Lehren um Jahrhunderte voraus eilt?
Zwei Gründe sind offensichtlich:
1) Versprechen und Drohung
Wenn ein Glaubender das tut, was die Kirche als richtig erklärt, so wird er oder sie ein zweites Leben in voller Herrlichkeit nach dem Tod "erleben". Mit dieser Doktrin gibt die Kirche vor, eine Antwort auf eine der wichtigsten Menschheitsfragen gefunden zu haben: Was kommt danach?
Wer nicht tut, was die Kirche will, wird zwar nicht mehr von Mitmenschen bestraft, dafür aber immer noch von Fabelwesen und an Fabelorten aus dem Gebiet der Mythologie.
2) Liturgie
Der Pomp, das Theatralische und der Trost den religiöse Dienste bieten, entsprechen einem echten Bedürfnis eines grossen Teils der menschlichen Gesellschaft. Es gibt gegenwärtig keinen Ersatz dafür. Die Wissenschaften der Astronomie, der Physik und der Biologie wären geeignet, brauchbare Alternativen zu liefern, sind aber jenseits der Zugänglichkeit für die Massen. Dies nicht zuletzt dank der traditionellen Elfenbeinturm - Mentalität ihrer Vertreter.

Mit Sicherheit haben die Weltreligionen mehr Unglück über diesen Planeten gebracht, als zur Beantwortung dringender Fragen oder Bedürfnisse beizutragen. Viele Konflikte der Neuzeit werden von religiösem Eifer angeheizt. Also haben diese Konflikte eine Basis, die schon immer auf Fehleinschätzung der physikalischen Realität beruhten.

Eine Institution, die den qualvollen Tod so vieler Millionen verursacht, oder mindestens gebilligt hat, verliert ihre Glaubhaftigkeit für immer.
Eine Institution, die den Tod weiterer Millionen vorbereitet, indem sie das Bevölkerungswachstum forciert, muss durch die Weltgemeinschaft daran gehindert werden, ehe es zu spät ist. Der Kirche darf nicht erlaubt werden, auf ihrem fehlgeleiteten Weg weiter zu gehen, nur weil dreissig Ghost-Writers für ihren Boss ein Dokument wie "Mea Culpa" vorbereitet haben.
Die Culpa ist einfach zu monströs.


Quellen:

Encyclopedia Britannica (electronic edition 1998)
Hans Küng: Existiert Gott? (1978)
Huchinson Encyclopedia (1988)
Sonntags-Zeitung (5. March, 2000, p.21)


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